Video-Überwachung in bester Orwell-Manier

In England ist Video-Überwachung ja schon seit ein paar Jahren wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Nun hat, laut Spiegel Online , Tesco zugegeben, Kunden, die Rasierklingen gekauft haben, per Videokamera im Laden beobachtet zu haben.

Mit Kameras auf öffentlichen Plätzen, so habe ich mich bis jetzt immer zu beruhigen versucht, kann man zumindest noch Reifenstecher oder Vergewaltiger identifizieren und so eher eine Chance haben, Täter zu fassen. Aber das Filmen von Kunden, die Rasierklingen kaufen ist doch schon eine andere Stufe.

Aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel kenne ich es zwar durchaus, dass dort harte Alkoholika und auch Rasierklingen verschlossen aufbewahrt werden. Das liegt aber eher an den sich in dieser Gegend verstärkt aufhaltenden Drogenabhängigen.

Unschuldige Personen rein auf Verdacht zu kriminalisieren halte ich doch für sehr fraglich. Das ist die selbe Taktik, die das mittlerweile stolpernde amerikanische TIA -Programm verfolgt – Personen aufgrund von Interessen, Besuchen, Herkunft, Hautfarbe, Religion oder ähnlichem per se mal für potentielle Terroristen zu erklären.

Aber andererseits handeln England und die USA auch sonst politisch sehr Hand in Hand. OK, der Bogen ist in Zusammenhang mit Tesco zu weit gespannt, aber wer weiss, wo uns das noch hinführt? In Kombination mit einer Gesichtserkennung wird der Schliesskasten mit den Rasierklingen dann gleich gesperrt, so dass der Verkäufer mir erst gar keine mehr aushändigen kann? Und wenn ich wiederkomme, geht die Schiebetür vor dem Supermarkt erst garnicht mehr auf? Nicht bei der derzeitigen (Un-)Zuverlässigkeit der Gesichtserkennung, aber theoretisch vorstellbar.

Vielleicht sollte man auch Käufer von unglaublich stinkendem Käse filmen?


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