Plünnen

Gestern war ich in der Stadt, um eine neue Jeans zu kaufen. Einfach war es nicht, etwas tragbares zu finden, und die beiden Mädels in dem Laden müssen mich jetzt vermutlich für vollkommen bekloppt halten.

Ich kam also in den Laden, nannte Umfang und Beinlänge und dass ich eine Jeans haben wolle. “Eine ganz normale Jeans, ohne Entfärbungen, Abnutzungserscheinungen, Risse und Löcher, einfach eine Jeans.” Da erntete ich schon den ersten fragenden Blick, gefolgt von einem Blick zwischen den beiden Mädels. Sie zeigten mir ein paar Modelle, wobei ich bei den ersten fünf gleich abwinkte und mit Hinweis auf modische Merkmale oder untragbare Zustände machte ich ihnen langsam klar, was ich wollte, oder besser was ich nicht wollte.

Meine Güte! Ein Stoff wird gewoben, danach gefärbt und dann aufgerollt. Danach ist er einfarbig und optimaler Weise von gleichmässiger Qualität. Warum um alles in der Welt muss man den Stoff malträtieren, bis er Löcher und brüchige Stellen hat, die nach 5 mal Waschen zu einem Loch werden? Eine nagelneue Hose, die am Tascheneingriff schon die ersten abgewetzten Stellen hat, bevor man sie nur einmal an hatte. Und wenn eine Hose zumindest vom Stoff her in Ordnung ist, dann hat sie Taschen seltsamster Form, Nähte, die die Hose unförmig machen oder einen Schlag, dass man beim nächsten Schritt stolpert. “Schlag? Das ist doch keine Schlaghose!” – “Nein, tut mir leid, aber mir gefällt sie nun einmal nicht, und das sollte sie ja, wenn ich eine Hose kaufen will.”

Letzten Endes hatte ich dann doch eine Hose gefunden, die meinen Ansprüchen genügte. Aber einfach war es nicht. Manchmal frage ich mich wirklich, wie die Modeindustrie es schafft, den Menschen den Geschmack zu verdrehen. Oder mein Geschmack ist einfach vor ein paar Jahren stehen geblieben. Aber wie meine liebe ehemalige Nachbarin, Frau C. ja schon immer sagte: “Du hast keine Ahnung von Mode, darüber rede ich nicht mit Dir!”

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