Bits Of Freedom, eine niederländische Gruppe, die sich für digitale Bürgerrechte engagiert, hat ein interessantes Experiment gemacht. Sie stellten einen Text, der 1871 geschrieben worden ist und dessen Autor vor mittlerweile 117 Jahren gestorben ist, ins Internet, indem sie bei 10 verschiedenen Hostern und ISPs webspace anmieteten. Dann besorgten sie sich eine Hotmail-Adresse, wofür man sich sich noch nicht einmal ausweisen muss, jegliche Identität also ungewiss ist. Dann beschwerten sie sich unter der Vorgabe, dass sie die Rechte an dem betreffenden Text hätten und diese Rechte durch die Veröffentlichung verletzt würden. Urheberrechte enden aber nach 100 Jahren, können also in diesem Fall gar nicht mehr bestehen. 7 der 10 Provider nahmen den Text vom Netz, einer bereits nach 3 Stunden. 2 Provider reagierten gar nicht, und einer der 7 bereits genannten Provider gab sogar ungefragt die Kundendaten heraus, obwohl noch nicht einmal darum gebeten worden war. Lediglich einer der 10 Provider schaute sich den Sachverhalt genauer an und wies darauf hin, dass nach nach über 100 Jahren kein Urheberrecht mehr bestünde.
Dies bedeutet also, dass jeder, der in der Lage ist, sich eine anonyme Emailadresse zu besorgen, mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% eine Webseite vom Netz nehmen lassen kann. Ohne dass der tatsächliche Sachverhalt und die Rechtmässigkeit der Forderung in Frage gestellt werden.
Sehr ernüchternd. Mir fällt dazu der Hauptmann von Köpenick ein, der nur durch die blinde Obrigkeitsgläubigkeit der Preussen erreichte, was er wollte. Die Angst vor rechtlichen Konsequenzen scheint heute so groß zu sein, dass man lieber nachgibt und kooperiert, als Vorwürfe erst einmal zu hinterfragen.
Der Bericht von BoF, ein 14seitiges PDF, ist online verfügbar.
(via Boing Boing)












4 Kommentare ↓
Unreflektierte Zensur oder »How to become a zensor with a Hotmail-Account«
Bronski berichtet: » Bits Of Freedom, eine niederl ä ndische Gruppe, die sich f ü r digitale B ü
rgerrechte engagiert, hat ein interessantes Experiment gemacht. Sie stellten einen Text,
der 1871 geschrieben worden ist und dessen Autor vor mittlerweilwe…
Unliebsame Seiten aus dem Netz kicken
Wie leicht ist es, eine Seite, die einem nicht passt aus dem Netz zu bekommen? Braucht man einen Anwalt, muss man klagen? Nein, es ist viel leichter - es reicht eine Hotmail-Adresse und eine einzige Mail. Glaubt Ihr nicht? Dann lest bei Bronski…
Easyway to go offline…
Ich lese gerade bei Carsten, das es einfach sein soll eine störende Website offline zu bringen. Und ich war überrascht wie leicht dieses geht. Man braucht nur einen Hotmail Account. Und den bekommt man ja einfach so… ohne Angabe irgendwelcher Daten….
Zensur und ISP
Beim Multatuli Projekt wurde die Bereitschaft von ISP getestet, Webinhalte vom Netz zu
nehmen. Dabei wurde mit einer anonymen Hotmail Adresse verlangt, gewisse Inhalte von einer
Website zu entfernen.
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