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Killer-Spiele-Vorurteile fördern

Da liest man gerade noch davon, dass in Karlsruhe ein E-Sport-Turnier auf Druck von Gemeinderat und Bürgerinitiativen hin abgesagt worden ist, und dann sieht man eine Werbung für eine Gaming-Netzwerkkarte namens Killer — Leute, ihr helft der Sache nicht wirklich, wenn ihr die Vorurteile der Unbeteiligten noch bestätigt. Das ist doch Öl ins Feuer giessen. Oder wie man so gerne sagt: FAIL!

GTA oder garnicht?

Heute ist die PC-Version von Grand Theft Auto IV auf den Markt gekommen. Was soll ich sagen? Ich hätte mir fast schon extra für dieses Spiel eine Konsole gekauft, konnte bislang jedoch noch widerstehen. Jetzt für den PC? Ja endlich, juhuu! Oder doch nicht?

Voller Freude liest man die ersten Artikel, über die man so stoplert, so z.B. bei Golem, “GTA 4 für PC – hochauflösend und hochdramatisch“, und schon beginnen die Hiobsbotschaften über einen hereinzubrechen. Es fängt an mit Zwangsregistrierungen bei verschiedenen Onlinegeschichten, bringt natürlich SecuROM als DRM mit, und an technischen Problemen gibt es auch mehr als genug. Mehr dazu bei PCGames Hardware: “Schlagende Argumente, warum sie das Spiel nicht zum Start kaufen sollten“.

Aller Freude zum Trotz werde ich es mir wohl auch weiterhin verkneifen müssen, mir dieses Spiel anzuschaffen. Schweren Herzens? Eher nicht, alleine schon die Kundengängelung und -rechtebeschneidung per DRM macht es einem schon fast leicht, nein zu sagen.

Musik online kaufen

Irgendwie überrascht mich diese Meldung garnicht:

Wer mehr verdient, zieht weniger Musik aus Tauschbörsen
[...]
Das Download-Verhalten wird unter anderem vom Alter und dem Einkommen der Nutzer bestimmt, geht aus der Studie hervor. So sind jüngere Nutzer stärker aktiv als ältere. Zudem zeigte sich, dass mit höherem Einkommen weniger heruntergeladen wird.
(Quelle: Golem – Wer mehr verdient, zieht weniger Musik aus Tauschbörsen)

Zumindest spiegelt sie auch mein Verhalten wieder. Als Schüler und Student hatte man kein Geld, um sich ein Computerspiel zu kaufen, und irgendwie hat es auch Spaß gemacht, die zum Kopierschutz dienenden Codescheiben (Beispiel: Monkey Island) zu kopieren, Löcher hineinzuschneiden und zu montieren. Heute aber ist mir das einfach zu blöd. Ärger kann ich nicht brauchen, und anstatt mich darüber aufzuregen, Kopierschutzmechanismen irgendwie aushebeln zu müssen, kaufe ich mir ein Spiel. Auch Musik kaufe ich mir, denn wenn Musik so gut ist, dass ich sie mir öfter anhören will, dann ist sie auch Wert, Geld dafür auszugeben.

Die Welt, ein Spiel?

Dass nach den jüngsten Vorfällen an der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten verwundert es garnicht, dass sofort wieder Forderungen nach Verbot von Killerspielen laut werden und es sogar gleich eine Bundesratsinitiative für Killerspielverbot gibt. Damit sind die Politiker dann immer schnell bei der Hand.

Der Spiegel entpricht hier dagegen ganz meiner Meinung:

Der Amoklauf von Emsdetten war kaum beendet, da war für viele Politiker bereits klar: Killerspiele haben Sebastian B. zur Gewalt verführt. Sie müssten jetzt endlich verboten werden. Eine Forderung, die so hilf- wie wirkungslos ist. Experten sind sich einig: Kein Spiel macht ein Kind zum Mörder.

(Quelle: Spielgel Online – Rohrkrepierer gegen Ballerspiele)

Man kann das ganze einfach nicht pauschalisieren und “genau das” als Grund für das derzeitige Problem mit dem ausgestreckten Zeigefinger aufzeigen. Die Gründe sind eher vielfältig und bei unterschiedlichen Tätern ebenso unterschiedlich.

Ich habe langsam eher den Eindruck, dass Computerspiele, in denen Probleme mit Gewalt gelöst werden, eher die reale Welt wiederspiegeln. Nicht nur einzelne Menschen, nein, sogar Regierungen und durch sie befehligte Armeen wie auch durch religiöse Führer angeleitete Gruppierungen leben es uns zu genüge vor.

große Jungs

Wenn 35-40 jährige Männer und Familienväter mit Kettcars um die Wette fahren, ausreizen, wer als letzter ausweicht, und sich mit voller Absicht und ohne Rücksicht in den Graben abdrängen… Ja, da fühlt man sich wieder jung! Nur aufpassen, dass der Nachwuchs gerade weit weg ist und es nicht mitbekommt. ;-)

So geschehen gerade auf dem Geburtstagsfest eines Freundes.

online spielen in jedem Alter

Anlässlich dieses Artikels bei Heise:

Dabei ist Online-Gaming nicht nur unter Teenagern populär, auch in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen faszinieren sich 16 Prozent für Spiele im Netz. In den Altersgruppen 30 bis 39 und 40 bis 49 Jahre sind es immerhin noch sieben beziehungsweise sechs Prozent.

Heise Newsticker: Deutsche spielen immer häufiger online

Dazu passt eine Unterhaltung, die wir neulich auf dem Teamspeakserver unserer WoW-Gilde hatten. So erzählte ein Mitspieler, der immerhin in den 40ern ist und selber schon 4 Kinder hat, von denen der 12jährige auch schon WoW spielt, folgendes:

A: Ihr werdet es nicht glauben, meine Mutter war gerade hier und fand das so toll, dass sie sagte “Das muss ich auch unbedingt haben!“.
B: Deine Mutter?
A: Ja, und die ist immerhin 62.
B: (allgemeine Begeisterung und Staunen, dass Menschen in diesem Alter sich für Onlinespiele begeistern
A: Ihr werdet es nicht glauben, aber mein Vater, 69, spielt auch jeden Tag online. Er spielt WarBirds, da trifft er sich mit irgendwelchen Leuten und bombt Länder in Schutt und Asche.

Am selben Tag trug sich noch folgende Unterhaltung zu:

C: Tut mir leid, ich muss off gehen, meine Eltern machen Stress.
D: Jaja, das haben meine früher auch immer gemacht, jetzt surfen sie selber bis spät nachts…

Ich finde das immer toll, wenn sich nicht, ganz nach dem Klischée, nur junge Leute an moderner Technik begeistern. Und wie man sieht, gibt es in Sachen Onlinespielen für jeden Geschmack und jedes Alter etwas.