Eigentlich hatte ich neulich schon etwas über Blogma! schreiben wollen. blogma – manifest für das gespür – da hat sich jemand viele Gedanken über Blogging und Journalismus gemacht, über Sinn und Daseinsberechtigung, über Schwächen und Möglichkeiten, und zur Durchsetzung hoher Ideale 10 Regeln aufgestellt. Ganz so schlecht fand ich nicht alles, ganz im Gegenteil. Manches möchte ich sogar mit dickem Stift unterstreichen. Quellennennung zum Beispiel empfinde ich als essentiell wichtig, und nicht nur aus rechtlicher Pflicht oder gar Einschüchterung, sondern weil man sich nicht mit fremden Federn schmückt, und zudem soll die Ehre dem zukommen, dem sie gebührt. Oder folgender Punkt:
4. Ein Zitat darf niemals für sich stehen. Es muss mindestens durch einen zusätzlichen Gedanken bereichert werden, den der Zitierende selbst anfügt. (Ein bereits andernorts entwickelter Gedanke darf nicht reproduziert werden, es sei denn, diesem Gedanken wird ein eigener hinzugefügt.)
Stupides, unkommentiertes und unreflektiertes Verlinken oder somit zum simplen Kopieren verkommenes Wiedergeben von fremdem Inhalt führt zu nichts. Gerade das Kommentieren von Dingen, das Erweitern um eigene Gedanken und somit das Weiterspinnen ganzer Konsrukte fügen kleinen wie großen Dingen etwas hinzu und führen damit zu Fortschritt. Dann lohnt sich eine Reise durch das Internet, das sich von einer Seite über Link zu Link auf andere Seiten treiben lassen bringt einem zu immer neuen Dingen, lässt einen neue Seiten sehen, Sichtweisen eröffnen.
Andere Punkte aber kann ich für mich selber so nicht durchsetzen, oder will es schlichtweg nicht. Ich schätze die Verwendung einer eigenständigen Software zum Schreiben und würde ohne diese nur ungern die Blog-eigene Weboberfläche benutzen. Die Forderungen einiger Regeln sind mir irgendwie zu metaphysisch, fast ein wenig esotherisch. Ganz unterschreiben kann ich Blogma! nicht. Aber das muss man ja auch nicht.
Heute, und daher nun der Anlass zu diesen Zeilen, fand ich bei Pepino einen Beitrag, der auf den Kutter verweist, und damit auch auf einen Artikel über Blogging an sich. Ein Auszug:
Unerkannt kommen wir aus der Dunkelheit, niemand weiß, wann und wo einer oder eine von uns das nächste Mal zuschlägt. Wir posten unsere Texte und verschwinden wieder in den Tiefen des Webs. Wir sind Guerilla-Publizisten. Wir sind Blogger.Wir sind kleine, mobile Einheiten. Wir fliegen unterhalb des Radars der Verlage und der Meinungsindustrie. Wenn es eine von uns erwischt, sind genügend andere da, die ihre Stelle einnehmen. Sie können uns nicht fassen.
Wir graben mit bloßen Händen in der großen stinkenden Müllhalde, die sich weltweites Netz nennt. Wir machen uns die Hände schmutzig. Machen die Drecksarbeit, für die sich andere zu schade sind. Wir würzen unsere Funde mit ein bisschen Selbstbespiegelung. Nicht weil wir es brauchen, sondern weil es sonst auch niemand braucht. Wir leisten uns den Luxus, nichtsnutzig zu sein.
Wenn man einn paar Wochen in der Blogosphäre unterwegs war, hat man vermutlich ein paar Seiten, ein paar Blogger gefunden, die über Dinge schreiben, die einen ebenfalls interessieren. Irgendwann erkennt man auch, dass viele immer gleich bleibende Quellen haben und sich immer bei den gleichen ihre Inspirationen holen. Nicht immer, aber manchmal doch, verändert sich auch einmal etwas, aber zumindest werden Inhalte fast immer um eigene angereichert, in den Kommentaren entstehen Diskussionen, und über Trackback werden Spuren hinterlassen, wo noch jemand etwas zu diesem Thema geschrieben hat. Das soll kein Vorwurf sein, nicht jeder ist der große Datenbuddler, ein Hobby-Enthüllungsjournalist, ein Nachrichtendienst mit unzähligen Quellen und Informanten. Das sind manche, und andere sind Kritiker, Kommentatoren, Rezensenten und stricken einfach weiter. So hat jeder seine Qualitäten und trägt sein Teil zur Blogosphäre bei.
Zum Ende noch eine Definition des Bloggens, das wieder einmal zeigt, wie viele Facetten das Bloggen haben kann (gefunden über typ.o). Doch in dem Beitrag von Immo, auf den sich der Kommentar mit dieser Definition bezieht, findet sich noch eine Textpassage, die Blogs in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit beschreibt:
Die Weblogwelt besteht nicht aus lauter coolen Typen, immer auf der Suche nach dem heißen Scheiß, wahrhaftigen Kreativgranaten in Sachen Kommentar, Reflektion, Berichterstattung, Kunst. Nein. In ihrer Gesamtheit stellt sich die Weblogwelt als so spannend wie der alljährliche Weihnachtsschmuck im Fenster des Nachbarn nebenan dar.
[...]
Natürlich: Es soll damit nicht gesagt sein, was bloggenswert ist und was nicht. Auch weiterhin soll geschehen, was eben geschieht. Und Weblogs sind nicht an sich schlecht oder Müll oder ähnliches. Manche sind eben aufregend, spannend, inspirierend, witzig, informativ oder sonstwie lesenswert. Doch die allermeisten sind auf rein persönlicher Ebene eben so prickelnd wie allährliche Weihnachtskartenfloskeln von Tante Trude.
Man muss viele Muscheln suchen und öffnen, bis man eine Perle findet.
Nun aber zu der Definition von etcpp, die zwar recht speziell, aber auch sehr bildhaft und schön ist:
Ich halte Weblogs vor allem für eines: Spaziergänge.
Ich stelle mir immer vor, dass man (von mir aus: Autor/Autorin) mit jemandem (von mir aus: Leser/Leserin) spazieren geht, von mir aus auch händchenhaltend, was weiß ich, “Schau mal, da drüben, wie schön!” [...] Komm mit, ich zeig Dir mal ein paar der Gedanken, die da hinten in der Ecke liegen(.)

